BAUEN AUF MALLORCA: 2025 ALS PRÜFSTEIN – WARUM 2026 ÜBER QUALITÄT ENTSCHEIDET
Bauen auf Mallorca: Expertenbilanz 2025 und worauf Eigentümer 2026 achten müssen
Bauen auf Mallorca ist komplexer geworden. Wer 2025 neu gebaut, umgebaut oder saniert hat, musste sich auf lange Genehmigungswege, schwankende Lieferzeiten und steigende technische Anforderungen einstellen. Gleichzeitig hat sich die Branche weiterentwickelt – weg von Improvisation, hin zu klareren Strukturen.
Unsere Experten aus dem Bau- und Sanierungssektor ordnen ein, wie sich Projekte verändert haben und was Eigentümer jetzt beachten müssen.
Andras Santha – Reformaster | Daniel Gingerich – PDC-Mallorca
Wie das Baujahr 2025 tatsächlich verlief und welche Veränderungen 2026 auf Eigentümer zukommen, erklären Andras Santha, Geschäftsführer von Reformaster Mallorca, und Daniel Gingerich, Geschäftsführer von PDC-Mallorca S.L.U..
Ihre Einschätzungen zeigen, wo die größten Herausforderungen lagen – und warumprofessionelle Planung künftig noch wichtiger wird.
Rückblick 2025: Anpassung war Pflicht„2025 war für die Baubranche auf Mallorca ein Jahr der Anpassung und der Professionalisierung“,
sagt Andras Santha. Drei Themen bestimmten den Projektalltag besonders
deutlich.
Genehmigungen: Die Bearbeitungszeiten für Licencias de Obra blieben vor allem in Gemeinden wie Palma, Calvià oder Andratx schwer kalkulierbar. „Wir haben darauf reagiert, indem wir bereits in frühen Projektphasen eng mit Architekten, Technikernund Behörden zusammenarbeiten“, erklärt Santha. Mögliche Einwände würdenso früh erkannt, Verzögerungen zumindest reduziert.Material und Logistik: Die Versorgungslage entspannte sich im Vergleich zu den Vorjahren,blieb aber selektiv angespannt. Naturstein, hochwertige Holzprodukte und technische Anlagen waren weiterhin mit längeren Lieferzeiten verbunden. Reformaster baute deshalb sein Netzwerk an lokalen und europäischen Lieferanten gezielt aus, um Abhängigkeiten zu reduzieren.
Qualitätsansprüche: Internationale Eigentümer fordern heute deutlich höhere Standards. Energieeffizienz, Schallschutz, moderne Haustechnik und nachhaltige Materialien sind längst keine Zusatzoptionen mehr. „Wir arbeiten seit Jahren über den gesetzlichen Mindestanforderungen“, so Santha. Besonders bei Abdichtungen, Terrassen, Klimatisierung und Schallschutz seien 2025 Standards eingefordert worden, die früher
kaum thematisiert wurden.
PDC-Mallorca: Dynamik mit Nebenwirkungen
Auch Daniel Gingerich beschreibt 2025 als fordernd. „Das Jahr war geprägt von Dynamik, Engpässen und strukturellen Veränderungen.“ Nach anfänglicher Hoffnung auf vereinfachte Legalisierungen illegaler Bauten folgte Ernüchterung: Die Umsetzung erwies sich als komplex. Die Materiallage stabilisierte sich, blieb aber preislich volatil. Holz, Dämmstoffe und Stahl waren verfügbar, Spezialmaterialien wie bestimmte Abdichtungssysteme oder keramische Produkte mussten früh eingeplant werden. „Gut vorbereitete Projekte liefen deutlich ruhiger“, so Gingerich. Bei den Genehmigungen gab es erste Fortschritte
durch digitale Verfahren, doch monatelange Wartezeiten und wechselnde Ansprechpartner blieben Realität – vor allem in kleineren Gemeinden. Positiv entwickelte sich das vereinfachte Verfahren für kleinere Reparaturen und Sanierungen. Hinzu kam der anhaltende Fachkräftemangel. Viele Gewerke waren über Monate ausgebucht, insbesondere Tischler, Poolbauer, Elektriker, Abdichter und Klimatechniker.
„Wer 2025 ohne baubegleitende Kontrolle gebaut hat, trägt heute ein erhöhtes Risiko für Folgeschäden“, warnt Gingerich.
Ausblick 2026: Strengere Regeln, bessere Abläufe
Für 2026 erwarten beide Experten eine stärkere Kontrolle technischer Standards. Die Behörden dürften besonders auf Energieeffizienz, Abfallmanagement, Wasserverbrauch, Abdichtungen, Brandschutz sowie Pool- und Wassersysteme achten. „Darauf sind wir vorbereitet“, sagt Santha. Reformaster arbeitet bereits mit optimierten Dämm- und Abdichtungssystemen, energieeffizienten Klimaanlagen, Wärmepumpen und Smart-Home-Lösungen. Zentral wird die Planungssicherheit. Bauherren verlangen klare Kosten- und Terminpläne. Digitale Bauüberwachung, definierte Meilensteine, regelmäßige Statusberichte und interne Qualitätskontrollen werden 2026 zunehmend zum Standard.
Kosten und Nachhaltigkeit: Ein Preisrückgang ist nicht zu erwarten. Reformaster rechnet mit moderaten Steigerungen von drei bis sechs Prozent, vor allem bei Elektroinstallationen, Klimatisierung, Naturstein- sowie Schreinerarbeiten. Gingerich ergänzt: „ Die extreme Preisschwankung dürfte abnehmen – das Niveau bleibt jedoch hoch.“ Gleichzeitig gewinnt die Bestandssanierung weiter an Bedeutung. Dämmung, neue Fenster, Photovoltaik und moderne Haustechnik stehen im Fokus. Die Investitionen sind höher, zahlen sich jedoch langfristig durch geringere Betriebskosten und höhere Wohnqualität aus.
2025 war ein Jahr der Herausforderungen. 2026 wird ein Jahr der Qualität. Für Eigentümer auf Mallorca gilt mehr denn je: Wer früh plant, fachkundig begleitet wird und auf klare Strukturen setzt, reduziert Risiken – und schafft nachhaltige, wertstabile Lösungen.
Oliver Girharz – Matrol-Bauprojektmanagement
Aus der Perspektive des Bauprojektmanagements ordnet Oliver Girharz, Matrol Bauprojektmanagement Mallorca, das Baujahr 2025 ein und beschreibt, wie sich Marktbewegungen, Fachkräftesituation und wirtschaftliche Rahmenbedingungen auf Bauabläufe ausgewirkt haben – sowie welche Faktoren den Bau- und Sanierungssektor 2026 prägen werden.
Welche Entwicklungen und Herausforderungen haben das Baujahr 2025 auf Mallorca maßgeblich bestimmt – etwa bei Material, Genehmigungen oder Abläufen?
Der Immobilienmarkt auf Mallorca ist schon seit vielen Jahren unberechenbar und schwankt je nach politischer (Welt-)Lage. 2025 war sicherlich kein herausragendes Jahr für Immobilienverkäufe, und das hat auch den Bausektor logischerweise beeinflusst, wenn auch zeitlich verzögert. Ein Problem, was sich schon lange abgezeichnet hat, aber sich in diesem Jahr stark manifestierte, ist der Fachkräftemangel. Die (Bau-)Unternehmen finden kaum gut geschultes und ausgebildetes Personal und das führt zwangsläufig zu Problemen in den Bauprozessen und wirkt sich merklich auf Qualität und Bauzeit aus. Die hohen Lebenshaltungskosten und Wohnungsmieten verschlimmern die Lage im Allgemeinen.
Welche Veränderungen erwarten Sie 2026 im Bau- und Sanierungssektor, insbesondere mit Blick auf Standards, Kosten und Planungssicherheit?
Der Bau- und Immobiliensektor ist stark von ausländischen Investoren geprägt. Insbesondere deutsche Investoren haben in den letzten Jahren für eine extrem gute Auftragslage gesorgt.
Die vorherrschende schwierige Wirtschaftslage in Deutschland hat sich bereits 2025 auf die Immobilienverkäufe negativ ausgewirkt und wird sich, sollte sich die Lage nicht kurzfristig drastisch ändern, 2026 auch den Bausektor negativ beeinflussen. Zudem haben sich die Baukosten in den letzten Jahren derart stark erhöht, dass Investoren sehr zurückhaltend reagieren und den Markt beobachten. Weniger Immobilienverkäufe, natürlich auch aufgrund der hohen Immobilienpreise, führen unweigerlich auch zu einer Zurückhaltung im Bausektor.
Wie gesagt, immer etwas zeitversetzt. Die Baukosten werden meiner Ansicht nach stagnieren, aber auch nicht sinken. Bei Immobilien rechne ich mit sinkenden Verkaufspreisen, wenn auch nicht signifikant. Dennoch denke ich, dass 2026 für uns ein spannendes und gutes Jahr wird, wenn auch die Planungssicherheit nicht gegeben sein wird.