Luft nach oben für Mallorca-Immobilien

2024-05-28
Luft nach oben für  Mallorca-Immobilien
Luft nach oben für Mallorca-Immobilien

Nach einer Stagnation im Jahr 2023 ist der Markt wieder im Aufwind. Als einzige Region in Spanien haben die Balearen sogar das Niveau von 2007 übertroffen.

Im Jahr 2023 erlebte der Immobilienmarkt auf Mallorca eine Phase der Stabilisierung nach einem außergewöhnlichen Aufschwung in der Post-Pandemie-Zeit. Dies spiegelt laut dem Marktbericht von Engel & Völkers eine allmähliche Rückkehr zu einem nachhaltigeren Verkaufsniveau wider, wobei die Preise stabil blieben und die Nachfrage sowohl auf lokaler als auch auf internationaler Ebene stark blieb. Trotz eines Rückgangs im Vergleich zum Vorjahr liegt die Zahl der Immobilientransaktionen immer noch im Bereich des Zehnjahresdurchschnitts, was die anhaltende Attraktivität der Balearen unterstreicht. Die jüngsten steuerlichen Änderungen, die ab 2024 eine Abschaffung der Vermögenssteuer beinhalten, könnten zudem neue Investitionen anziehen und die Nachfrage weiter stimulieren.


Engel & Völkers hat seine jährliche Marktanalyse durch eine Zusammenarbeit mit Spanish Property Insight erweitert. Die Zahlen des Markt­berichts zeigen, dass die Immobilienverkäufe auf ein stabiles Niveau zurückgekehrt sind, ohne dass es zu einem signifikanten Preisverfall kam. Die Rede war von einer sanften Landung im Jahr 2023. Das deutet darauf hin, dass die Grundlagen des Marktes solide bleiben, unterstützt durch anhaltendes internationales Interesse und lokale Nachfrage. Laut Daten der Notariate gab es 2023 zum ersten Mal nach 10 Jahren Anstieg einen leichten Rückgang bei den Immo­bilienpreisen auf den Balearen, und zwar um 0,4 Prozent.

Preiswende 2024
Eine Trendwende zeichnete sich bereits im ersten Quartal 2024 ab. Laut der Gutachter-Gesellschaft Tinsa sind die Immobilienpreise auf Mallorca und den Nachbarinseln um satte 8,3 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Anstieg in ganz Spanien und sogar eine höhere Rate als im Immobilienboom um das Jahr 2007. Einzigartig im Land ist, dass auch die absoluten Preise inzwischen etwas höher als 2007 liegen – allerdings ohne Inflationsbereinigung. Das könnte bedeuten, dass noch Luft nach oben vorhanden ist, zumal auch US-amerikanische Interessenten dank guter Flugverbindungen verstärkt Käufe tätigen.

Optimistisch zeigt sich auch Porta Mallorquina: Laut einer Marktstudie in Zusammenarbeit mit dem STI Center for Real Estate Studies gibt es auf Mallorca eine anhaltende Dynamik, insbesondere im Bereich der Ferienimmobilien. Hier sind die Preise weiterhin auf einem steigenden Kurs, wobei die Region Inselmitte mit einer Preissteigerung von 13,6% in 2023 den größten Anstieg verzeichnete. Der Südwesten der Insel, traditionell die teuerste Region, erlebte dagegen einen leichten Rückgang um 0,5%.
Der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Ferienimmobilien auf der gesamten Insel liegt bei etwa 5.800 Euro, wobei Luxusimmobilien durchschnittlich 10.900 Euro pro Quadratmeter kosten können, im Südwesten sogar bis zu 13.400 Euro. Ein markanter Preistreiber sind dabei Ausstattungsmerkmale wie Pools, die den Wert von Häusern und Villen deutlich erhöhen können.
Es gibt Hinweise darauf, dass sich die Vermarktungszeit der Objekte etwas verlängert. Aktuell sind laut Porta Mallorquina über 2500 Objekte gelistet, die bereits im Vorjahr erfasst wurden, was darauf hindeutet, dass etwa die Hälfte aller Objekte eine Vermarktungszeit von über einem Jahr haben.

Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass der Immobilienmarkt auf Mallorca robust bleibt, mit steigenden Preisen und einer anhaltend hohen Nachfrage, insbesondere in den Premiumsegmenten. Die Investoren sollten jedoch wachsam bleiben, da der Rückgang des Angebots und die verlängerten Vermarktungszeiten Herausforderungen darstellen könnten. Timo Weibel vom Maklerhaus Porta Mallorquina sieht den Markt im Aufwärtstrend, und hält eine deutliche Preisreduktion, wie sie derzeit in Deutschland beobachtet wird, für unwahrscheinlich.
Nachdem der Markt von 2015 bis 2024 um satte 55 Prozent zugelegt hatte (im Zehnjahreszeitraum seit 2013 sogar um 74 Prozent), prognostiziert das STI Center für die nächsten drei Jahre moderatere Zuwächse der Realpreise von weiteren 3,7 Prozent auf Mallorca.

Das Angebot an Luxusimmobilien auf der Insel geht laut der Studie zurück, was insbesondere im Südwesten spürbar ist, wo das Objektangebot angeblich um 41 Prozent gesunken ist. Gleichzeitig steigt die Nachfrage in Palma, wo ein Anstieg von 19% bei bezugsfertigen Objekten zu verzeichnen war. Dies spiegelt einen Wettbewerb zwischen den Regionen wider, in dem sich Palma zunehmend als ernsthafte Konkurrenz zum beliebten Südwesten etabliert.

Trend in die Inselmitte?
Im Jahr 2023 verzeichneten die Ferienimmo­bilienpreise auf Mallorca laut Porta Mallorquina eine differenzierte Entwicklung. Die Inselmitte erlebte mit einem Anstieg von 13,6 Prozent die stärkste Preissteigerung, ausgehend von einem bislang vergleichsweise relativ niedrigen Niveau. Hier gab es offenbar Chancen und Nachholbedarf. Ähnlich robuste Zuwächse fanden im Norden und Süden der Insel statt, mit Preis­steigerungen von 8,4 Prozent und 8,1 Prozent. Der Nordosten und der Nordwesten verzeichneten ebenfalls signifikante Anstiege von 7,8 Prozent bzw. 7,9 Prozent, während das Umland von Palma lediglich 0,2 Prozent zulegte. Der Südosten sah eine moderate Preissteigerung von 4,9 Prozent.

Man darf gespannt sein, ob der überraschende Trend Richtung Inselmitte weiter anhält oder schlicht und einfach einer extremen Knappheit an anderen Orten geschuldet ist. Oder ist es am Ende so, dass bestimmte Objekte von ihren Eigentümern derzeit bewusst zurückgehalten werden, um auf höhere Preise zu warten oder in Inflationszeiten nicht auf einen Schlag zu viel Liquidität aufzubauen? Wobei das Publikum für die Finca bei Sencelles, das Dorfhäuschen in Binissalem und die Meerblick-Villa im Südwesten ohnehin nicht unbedingt identisch sein dürfte.

Michael U. Maier



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